Die neue «Crazy Cat Lady»: Mehr Miauen, weniger Drama?

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Die Definition der «Crazy Cat Lady» hat einen Wandel vollzogen. Heute steht sie für Freundlichkeit, Freiheit und Souveränität. Warum, liest du hier.

Crazy Cat Lady
Das Klischee der «Crazy Cat Lady» beschreibt meist eine als exzentrisch dargestellte Frau, die als einsam gilt und deshalb viele Katzen hält. - Depositphotos

Also haben Singles eine Menge Unzumutbares geschluckt. Den On-Off-Partner bei sich einziehen lassen, weil die Scheidung «noch nicht ganz durch» war, versprochenen Zukunftsplänen geglaubt, die wackliger waren als ein Tannenbaum im Februar und natürlich auf die legendäre Nachricht «Wach?» um 3 Uhr morgens geantwortet.

Dann kam im Herbst 2025 dieser Vogue-Artikel über Beziehungen raus – wie ein kulturelles Orakel, das verkündet: «In einer Beziehung zu sein? Gerade nicht der heisseste Trend.» Und TikTok lieferte die Feldstudie gleich mit: Die «Crazy Cat Lady» ist plötzlich kein Meme mehr, sondern ein Mindset.

Symbolbild
Mittlerweile wird die «Crazy Cat Lady» neu definiert – als freie, witzige, eigenständige und selbstbewusste Frau. - zVg

Sie ist nicht die schrullige Nachbarin im lila Morgenmantel, die mit ihrer Katze zum Briefkasten schlurft. Sie ist die moderne, unabhängige Frau, die längst erkannt hat, dass das Leben zu kurz ist, um die eigenen Standards zusammenzufalten wie ein zu kleines Spannbettlaken – und noch viel kürzer, um sich von einem bedeutungsschwangeren «We’ll see» verunsichern zu lassen.

Neue Definition der «Crazy Cat Lady»

Die neue Cat-Lady ist freundlich, frei, witzig, souverän … und nicht mehr bereit, ihre Energie in Menschen zu investieren, die im Leben mehr Ladehemmung als Ladekabel besitzen. Wir erleben derzeit einen kulturellen Wandel: Eine explosive Mischung aus Dating-Müdigkeit, Mental Load, Tinder-Dates, die im Ghosting enden – und einer bedingungslosen Liebe auf vier Pfoten.

Eine Katze zu haben, ist inzwischen ein modernes Statement. Katzen urteilen nicht. Sie schlagen keine komplizierten Beziehungsmodelle vor. Sie hinterlassen keine chaotischen Spuren im Badezimmer – und sie legen mehr Wert auf tägliche Selbstpflege als so manche Menschen. Sie haben Mut, Geheimnisse und minimalistische Eleganz. Sie leben ihr bestes Leben und erinnern uns daran, genau das Gleiche zu tun.

Hast du eine Katze?

Die Ironie dabei: Das Internet hat die Crazy Cat Lady längst zur Popkultur-Ikone gemacht. Auf TikTok posieren Singles stolz mit ihrem #selfiecat – oft entspannter als so manches Paar. Auf Instagram bekommt ein Katzenvideo mehr Likes als eine Verlobungsankündigung. Sogar Politiker mischen mit: Memes, GIF, kurze Clips… alle wollen einen Platz im Königreich der Katzen.

Und hinter all dem steckt eine simple Wahrheit: Ein Tier zu lieben bedeutet, wieder zu lernen, sich selbst zu wählen. Langsamer zu werden. Die kleinen Dinge lustig zu finden. Sich verletzlich zeigen zu dürfen, ohne den gefürchteten Satz zu hören: Ich bin gerade nicht bereit für etwas Ernstes.

Katzen und ihr soziales Wesen

Katzen haben etwas erkannt, dass wir Menschen oft erst spät begreifen: Nähe funktioniert am besten, wenn sie freiwillig ist. Sie bleiben, weil sie wollen – nicht, weil sie müssen. Und genau das macht sie so unwiderstehlich. Während Menschen uns mit Lesebestätigungen, Ghosting und unklaren Signalen in den Wahnsinn treiben, arbeiten Katzen mit deutlich ehrlicherer Kommunikation: hochgezogene Schnurrhaare = Neugier, flacher Schwanz = Stress, langsames Blinzeln = emotionales Vertrauen (wissenschaftlich erwiesen, by the way).

Katze
Katzen sind verlässliche Begleiter im Leben. - Depositphotos

Und selbst wenn sie uns mitten in der Nacht wecken, weil das Futter unter den linken Rand gerutscht ist, zeigen Studien: Katzen suchen dann nicht nur Futter – sie suchen soziale Interaktion. Wir sind Teil ihrer Familie. Vielleicht lieben wir Katzen genau deshalb so sehr: Weil sie mühelos zeigen, wie sich emotionale Unabhängigkeit und echte Bindung verbinden lassen. Sie erinnern uns daran, dass Selbstbestimmung unglaublich attraktiv ist – und beweisen uns jeden Tag, dass man gleichzeitig frei sein und doch dazugehören kann.

Genau aus diesem Mix entsteht eine neue Haltung — eine, die die sogenannte Crazy Cat Lady neu definiert hat. Sie ist im Klaren darüber, dass eine Katze zwar ihr Herz wärmt, aber nicht ihre alten Wunden heilt. Die Crazy Cat Lady war nie verrückt. Sie war ihrer Zeit nur voraus. Sie hat erkannt, dass echte Ruhe manchmal im Schnurren einer Katze liegt, und nicht unbedingt im Tempo des modernen Datings.

Zur Autorin

Angelica De Riggi ist Unternehmerin, Tech-Gründerin und CEO von AI-Tails, einem Schweizer Deep-Tech-Startup, das mithilfe von KI und Sensorik die präventive Tiermedizin revolutioniert. Nach persönlichen Erfahrungen mit ihrer eigenen Katze entschied sie sich, eine Lösung zu entwickeln, die Krankheiten bei Haustieren frühzeitig erkennt – lange bevor Symptome sichtbar werden.

Angelica De
Angelica De Riggi, Tech-Gründerin und CEO von AI-Tails. - zVg

Mit AI-Tails baut sie eines der vielversprechendsten Pet-Health-Startups Europas auf und verbindet Tiermedizin, Datenwissenschaft und Design Thinking zu einer neuen Ära der Haustiergesundheit. Die Gründerin teilt regelmässig Einblicke in Innovation, Pet-Tech-Trends und die Zukunft der präventiven Tiergesundheit. Mit ihrem ersten Artikel bei Nau.ch – und als bekennende «Crazy Cat Lady» – startet sie hier ihre monatliche Kolumne.

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